Drohnenführerschein Kitzrettung ✈️ A1/A3 oder A2 nötig?

Die Rehkitzrettung per Drohne ist eine der effektivsten Methoden, um Wildtiere vor dem Mähtod zu bewahren. Doch für Jäger, Landwirte und ehrenamtliche Helfer stellt sich oft die Frage: Welchen Drohnenführerschein brauche ich eigentlich?

Die schnelle Antwort lautet: Da professionelle Wärmebilddrohnen meist über 250 Gramm wiegen, ist der EU-Kompetenznachweis A1/A3 („kleiner Schein“) das gesetzliche Minimum. Experten empfehlen jedoch dringend das Fernpilotenzeugnis A2 („großer Schein“), um rechtlich flexibler zu sein – besonders wenn Felder direkt an Wohngebiete grenzen.

🦌 Tipp für Kitzretter: Mehr Flexibilität mit A2

Viele Wiesen liegen nah an Ortsrändern. Mit dem kleinen A1/A3-Schein müssen Sie oft 150m Abstand halten – das macht eine lückenlose Absuche unmöglich.

  • Näher ran: Fliegen Sie bis auf 30m (bzw. 5m) an unbeteiligte Personen.
  • Wohngebiete: Legal Felder direkt am Dorfrand abfliegen.
  • Online: Prüfung bequem von Zuhause (ideal für die dunkle Jahreszeit).

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Warum brauche ich überhaupt einen Führerschein?

Die Zeiten, in denen man „einfach so“ fliegen durfte, sind vorbei. Entscheidend ist das Abfluggewicht Ihrer Drohne.

Gängige Modelle in der Kitzrettung sind:

  • DJI Mavic 3 Thermal (M3T): ca. 920 g
  • DJI Mavic 2 Enterprise Advanced: ca. 909 g
  • Yuneec H520 / H850: deutlich über 1 kg

Da all diese Drohnen die 250-Gramm-Grenze überschreiten, gilt laut EU-Drohnenverordnung eine Führerscheinpflicht. Ohne gültigen Nachweis riskieren Sie hohe Bußgelder und den Verlust des Versicherungsschutzes.


Vergleich: A1/A3 vs. A2 in der Kitzrettung

1. Das Minimum: Kompetenznachweis A1/A3

Dieser Schein ist der Einstieg. Sie absolvieren ihn direkt online beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA).

  • Vorteil: Günstig (25 €) und einfach.
  • Nachteil (Das 150m-Problem): Mit Bestandsdrohnen (ohne C-Zertifizierung) oder schweren Drohnen in der Kategorie A3 müssen Sie zwingend 150 Meter Abstand zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- oder Erholungsgebieten halten.

⚠️ Das Problem: Viele zu mähende Wiesen liegen direkt am Ortsrand oder neben einem Gewerbegebiet. Mit dem A1/A3-Schein dürfen Sie diese Flächen oft nicht legal befliegen.

2. Die Empfehlung: Fernpilotenzeugnis A2

Der „große Schein“ erfordert eine zusätzliche Prüfung bei einer zertifizierten Stelle (PStF).

  • Vorteil: Sie dürfen in der Unterkategorie A2 fliegen.
  • Die 1:1 Regel: Wenn Sie eine C2-zertifizierte Drohne (z.B. Mavic 3 Thermal) nutzen, dürfen Sie im „Low Speed Modus“ bis auf 5 Meter an unbeteiligte Personen heranfliegen. Auch der Abstand zu Wohngebieten verringert sich drastisch.

Entscheidungshilfe: Welchen Schein brauche ich?

Einsatz-SzenarioA1/A3 ausreichend?A2 notwendig/empfohlen?
Wiese mitten im Wald/Feld (>150m zu Häusern)Ja, reicht völlig(Optional)
Wiese grenzt an Wohnhäuser / BauernhofNein (Abstandsverstoß)Empfohlen
Einsatz mit vielen Zuschauern / WanderernNeinEmpfohlen

Spezialregeln: Nachtflug & Helfer

Darf ich morgens im Dunkeln fliegen?

Kitzrettung findet oft zwischen 04:00 und 07:00 Uhr statt – also oft noch vor Sonnenaufgang.
Gute Nachricht: Seit der EU-Reform ist Nachtflug in der offenen Kategorie erlaubt.
Voraussetzung: Ihre Drohne muss mit einem grünen Blinklicht ausgestattet sein, damit Sie die Lage der Drohne am Himmel erkennen können. Die meisten modernen Enterprise-Drohnen (DJI) haben dies bereits integriert („Auxiliary Light“).

Zählen Helfer als „unbeteiligte Personen“?

Ein häufiges Missverständnis.

  • Beteiligte Personen: Die Helfer („Läufer“), die die Kitze aus dem Gras tragen, sind Teil des Einsatzes. Wenn Sie diese vor dem Flug eingewiesen haben, gelten die strengen Abstandsregeln für sie nicht.
  • Unbeteiligte Personen: Der Spaziergänger mit Hund am Feldweg oder der Nachbar im Garten sind „unbeteiligt“. Hier müssen Sie die Abstände (je nach Führerschein) zwingend einhalten.

⚠️ Wichtig: Die richtige Versicherung

Rehkitzrettung ist oft eine ehrenamtliche Tätigkeit im Auftrag der Jagdgenossenschaft oder des Landwirts. Eine private Drohnenhaftpflicht greift hier oft nicht, da es sich um einen „gewerbeähnlichen“ oder „vereinsgebundenen“ Einsatz handeln kann.

Prüfen Sie unbedingt:
1. Ist der organisierte Einsatz (Verein/Tierschutz) abgedeckt?
2. Ist die Deckungssumme hoch genug (mind. 1 Mio €)?

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Häufige Fragen (FAQ)

Ab welchem Alter darf man bei der Kitzrettung fliegen?

Das Mindestalter für Fernpiloten in der offenen Kategorie beträgt in Deutschland 16 Jahre. Jüngere Piloten dürfen nur unter direkter Aufsicht eines qualifizierten Piloten fliegen (Lehrer-Schüler-Prinzip).

Muss ich die Drohne registrieren?

Ja. Da Kitzrettungs-Drohnen Kameras haben und über 250g wiegen, müssen Sie sich als Betreiber beim LBA registrieren. Die erhaltene e-ID muss sichtbar auf der Drohne angebracht werden.

Was kostet der Führerschein?

  • A1/A3: 25,00 € (direkt beim LBA).
  • A2: Je nach Anbieter zwischen 70 € und 150 € (Online-Kurs inkl. Prüfung).

Fazit

Wer es ernst meint mit der Kitzrettung, sollte nicht am falschen Ende sparen. Der A1/A3 Schein ist die Pflicht, der A2 Schein ist die Kür, die Ihnen im Ernstfall den entscheidenden rechtlichen Spielraum gibt, um auch das letzte Kitz am Feldrand sicher zu finden.